|
Er
war einer der Erfinder der konkreten Poesie. Einer freilich, der
glasklar analysierte, warum er konkrete Poesie schrieb, und warum
er es später nicht mehr tat. Dieses Buch ist somit ein Bekenntnisbuch,
gleichzeitig aber auch, obwohl Claus Bremer Lehrer nicht ausstehen
mochte, ein Buch, das dem Leser zeigt, wie er selbst konkrete
Gedichte schreiben könnte, falls er, wie etliche Werbefritzen
vor ihm, dazu Lust verspürte. Bremer zu seiner (früheren)
Technik des Schreibens: "Was heute sich anhört oder
liest wie die hohe Schule des Kneifens, des Sich-dünn-Machens,
des Meidens von Antworten, hat mir Freude gemacht. Gebilde zu
schaffen, in denen möglichst viele sich spiegeln können,
ist für mich bis Mitte der sechziger Jahre poetische Entnazifizierung
gewesen, Versuch, die Diktatur des Ich in der Poesie zu brechen."
Dann aber, bald mal, wurde diese Art von Poesie, nach dem Krieg
als Reaktion auf all die widerwärtigen Nationalismen entstanden,
ebenfalls von der Werbung vereinnahmt. Bremer erkannt dies früh;
und in seinem Essay feiert er deshalb nicht nur die Gomringers,
Roths, Sophie Taeubers und Spoerris, er bekennt ebenso, aus welchen
Motiven er sich heute der Neuen Sensibilität der Amerikaner
(und Deutschen) angenähert hat. Weshalb da einer schreibt
und aufhört und lernt und wieder schreibt, wird durchgängig
transparent. Bremer, der sich wandelnde, wandelt uns selber; und
die Ahnung, dass Dichtende Poesie endlich nicht nur schreiben,
sondern sie leben, deutet auf Ufer hin, von denen wir bislang
nur träumten.
|