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orte Nr. 132

Straglischs /
Streiflichter

Neue Texte von Rätoromanen

 

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CHF 14.-
EUR 8.-

Die kleinste Landessprache der Schweiz hat es nicht leicht. Wenn man in den Pressemeldungen der letzten Zeit blättert, stösst man vor allem auf Nachrichten, welche das Rätoromanische als Problem behandeln: Vom neusten Rückgang der Anzahl seiner Sprecher ist die Rede, vom umkämpften Versuch, über der Vielfalt seiner Dialekte eine neue Schriftsprache zu errichten, von Bedrohung, von Rettungsversuchen. Damit schiebt sich eine mediale Dramatik in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, die von der Wirklichkeit der Sprache
ablenkt. Als könnte es uns, wenn wir dieser einmal geduldig zuhören, nicht im Verständnis viel weiter bringen als sämtliche vorlaut zu Markte getragenen Meinungen.

An interessanten Texten in Rätoromanisch fehlt es ja keineswegs: gerade die Belletristik der Romanen ist reich und vielfältig. Diese Literatur hat bei orte seit je ihren Platz gehabt. Die Engadiner Lyrikerin Leta Semadeni gehörte nicht nur zu den Gründern unserer Zeitschrift, sie hat ihr sogar den Namen gegeben, und zweimal war seither den schreibenden Rätoromanen ein Heft gewidmet (vgl. orte 2 von 1974 und orte 55 von 1986). Das ist eine Weile her, und so fanden wir es an der Zeit, nach der heutigen Lage zu fragen, nach Neuerungen und Kontinuitäten. Dreizehn Autorinnen und Autoren stellen wir vor, und betrachtet man, wie klein diese Sprachgemeinschaft ist, so finden wir es für einmal nicht selbstverständlich und sogar erfreulich, darauf hinzuweisen, dass die Auswahl unvollständig ist. Nur fünf dieser dreizehn waren schon in orte 55 vertreten. Ist aber nicht gerade das Auftreten immer neuer Generationen von Schreibenden ein kräftiges Zeugnis für die Lebendigkeit einer Sprache? Allen Unkenrufen zum Trotz also: die romanische Literatur lebt. Und wer die Vielfalt der Stimmen gehört hat, die in diesem Heft zusammenkommen, wird sicher mit uns wünschen, dass das so bleibt.