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Bei
unseren orte-Redaktionssitzungen geht es meist laut zu und her,
wenn am Beizentisch die nächsten Nummern planen. An jenem
Montagabend jedoch wurde nach einer zündenden Idee, einem
neuen, herausfordernden Thema gesucht, und einen Moment wurde
es ungewöhnlich still. Der Protokollführer kritzelte
etwas auf ein Blatt Papier, die Serviertochter brachte einen Halben
Roten und schenkte ein, und als alle einander zuprosteten, sagte
Bruno Kümin, relativ neu in der Runde und vor Einfällen
nur so sprudelnd: "Man kann nicht immer nur ins Glas schauen
und jammern!
Der Satz schwebte
über dem Tisch wie ein farbiger Luftballon, alle schauten
ihm bewundernd nach und wussten sogleich: Eben dieser spontan
hergesagte,
einprägsame Satz gibt den Titel eines orte-Heftes! Bruno
Kümin protestierte zwar zuerst, aber es gab nichts daran
zu rütteln; kein grosses Jammern erhob sich, sondern homerisches
Gelächter und Freude. Einstimmig und gut gelaunt wurde beschlossen,
einige Autorinnen und Autoren nicht die griesgrämigsten
anzuschreiben und sie aufzufordern, sich etwas einfallen
zu lassen zu diesem optimistischen Thema.
Wir Schweizerinnen
und Schweizer sind berüchtigt dafür, nicht ungern zu
jammern und zu klagen über den Zustand der Welt oder
das Wetter oder die Erhöhung der Krankenkassenprämien
oder was auch immer uns gerade über die Leber gekrochen ist.
Zudem scheint es esonders schwierig zu sein, ausgerechnet im Januarloch
etwas Humorvolles, Witziges, Satirisches, Überraschendes
zu schreiben. Trotzdem haben wir mehr Beiträge erhalten als
erwartet, und das Resultat kann sich sehen respektive lesen lassen,
bei einem Glas Wein vielleicht. Und ich gebe es gern zu: Heimlich
lache ich mir ins Fäustchen, dass ausgerechnet so viele Frauen
Texte eingeschickt
haben, sogar aus dem Wiener Weinviertel.
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