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Es
scheint, dass die Zerfransung unserer Städte und Dörfer
fast in aller Interesse liegt. Die Lust aufs Eigenheim wächst
stetig an: Zwischen 1970 und 2000 hat die Zahl der Einfamilienhäuser
um 126 Prozent zugenommen. In den Agglomerationsgürteln,
die immer weiter hinaus drängen, stieg die Zunahme sogar
auf 158, in den ländlichen Gebieten auf 155 Prozent an. Fast
jedes
vierte Wohngebäude dient gemäss Bundesamt für Statistik
nur einer Familie, und drei von vier infamilienhäusern stehen
ausserhalb von Städten und Dörfern. Die Wohngemeinden
zonen fleissig Land um, denn eine Erhöhung der Einwohnerzahl
und damit der Steuerzahlenden ist mehr als willkommen. Die Architekten
reiben sich die Hände. Die Baufirmen, denen es seit Jahren
ohnehin nicht gut geht, sind froh um die Aufträge. Auch die
Autoindustrie profitiert, der Pendlerverkehr verdichtet sich,
denn für eine Familie im
Grünen wird das Auto und sogar der Zweitwagen fast zu einem
Muss. In fast aller Interesse also: Die Wirtschaft wird angekurbelt,
die Leute im Grau-Grünen sind zufrieden.
"Tokio
eröffnet freundlich" (aber auch Börsen, die unserer
Betonwüste näher liegen) könnte man mit dem Berner
Lyriker Daniel Henseler sagen, von dem wir im Mantel dieses Heftes
Gedichte bringen. Auch Jolanda Fäh aus Gams und Peter Flückiger
aus Basel sind vertreten. Gedichte sind vielleicht ein Mittel,
in unserer zunehmend auch räumlich verplanten Welt Haltung
zu markieren. Denn Otto F. Walters Buchtitel "Wie wird Beton
zu Gras?" wirkt heute mit seiner utopischen Rhetorik schon
fast obsolet. Nicht alle können sich freilich mit Gedichten
vor Depressionen retten, wie Barbara Trabers "Fund-orte"
über die Lyrikerin Anne Lemonnier eindrücklich aufzeigt.
Das Gefühl von Bedrohung jedenfalls ist omnipräsent.
Der Riese ist unsichtbar geworden und treibt sein Wesen, von dem
freilich die wenigsten behaupten, es sei ein Unwesen, dennoch
mitten unter uns.
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