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orte Nr. 138

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Es scheint, dass die Zerfransung unserer Städte und Dörfer fast in aller Interesse liegt. Die Lust aufs Eigenheim wächst stetig an: Zwischen 1970 und 2000 hat die Zahl der Einfamilienhäuser um 126 Prozent zugenommen. In den Agglomerationsgürteln, die immer weiter hinaus drängen, stieg die Zunahme sogar auf 158, in den ländlichen Gebieten auf 155 Prozent an. Fast jedes
vierte Wohngebäude dient gemäss Bundesamt für Statistik nur einer Familie, und drei von vier infamilienhäusern stehen ausserhalb von Städten und Dörfern. Die Wohngemeinden zonen fleissig Land um, denn eine Erhöhung der Einwohnerzahl und damit der Steuerzahlenden ist mehr als willkommen. Die Architekten reiben sich die Hände. Die Baufirmen, denen es seit Jahren ohnehin nicht gut geht, sind froh um die Aufträge. Auch die Autoindustrie profitiert, der Pendlerverkehr verdichtet sich, denn für eine Familie im
Grünen wird das Auto und sogar der Zweitwagen fast zu einem Muss. In fast aller Interesse also: Die Wirtschaft wird angekurbelt, die Leute im Grau-Grünen sind zufrieden.

"Tokio eröffnet freundlich" (aber auch Börsen, die unserer Betonwüste näher liegen) könnte man mit dem Berner Lyriker Daniel Henseler sagen, von dem wir im Mantel dieses Heftes Gedichte bringen. Auch Jolanda Fäh aus Gams und Peter Flückiger aus Basel sind vertreten. Gedichte sind vielleicht ein Mittel, in unserer zunehmend auch räumlich verplanten Welt Haltung zu markieren. Denn Otto F. Walters Buchtitel "Wie wird Beton zu Gras?" wirkt heute mit seiner utopischen Rhetorik schon fast obsolet. Nicht alle können sich freilich mit Gedichten vor Depressionen retten, wie Barbara Trabers "Fund-orte" über die Lyrikerin Anne Lemonnier eindrücklich aufzeigt. Das Gefühl von Bedrohung jedenfalls ist omnipräsent. Der Riese ist unsichtbar geworden und treibt sein Wesen, von dem freilich die wenigsten behaupten, es sei ein Unwesen, dennoch mitten unter uns.