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In diesem Heft kommen Liebesgedichte zu Ihnen; aber nicht im Monat Mai, sondern im Herbst des Jahres 2008. Denn „wann die Liebe beginnt, weiss keiner“, schreibt Beat Brechbühl zurecht in einem seiner so männlichen und doch überaus zärtlichen Gedichte, „(...) Hauptsache, sie ist plötzlich da als das wunderbare Gewitter, als süsssaurer langsamer Blitz“.
Es war kein Problem, Gedichte zu finden, deren Gegenstand vor allem Liebe ist. Dieses Thema beschäftigt fast alle auf unserer Erde. Viele leiden wegen der Liebe, andern bringt sie Freude, Nähe, Zuversicht. Die Auswahl der Gedichte hat die Redaktionsmitglieder Jolanda Fäh, Anne-Marie Kenessey und Werner Bucher während zwei, drei Stunden in gute Stimmung gebracht.
Alfonsina Storni, die wohl grösste, argentinische Dichterin, die von Geburt her Tessinerin gewesen ist, hat sogar fast ausschliesslich über die Liebe geschrieben — aber leider aus einer meist unglücklichen Position (die man aus den Gedichten kaum herausspürt). Anders die grosse Dame und Lyrikerin aus dem aargauischen Freiamt, Erika Burkart.
Liebeslieder an Gott oder ans Göttliche (etwa von Franz von Assisi) wurden keine gesucht. Das wäre etwas für ein anderes orte-Heft. Dafür wurde ans Ende des Innenteils zwei „Liebessonette“ von Pablo Neruda an seine junge Geliebte und spätere Frau Matilde gestellt. Schöneres, Ergreifenderes findet sich wohl selten in der heutigen Poesie. In einem der ersten Sonette, die zum Glück keine Sonette sind, beschwört er Matilde, zitiert aus der deutschen Übersetzung, als „Tür zu einem unbekannten Tunnel, der mit den Düften der Erde kommuniziert“, im dritt- oder viertletzten, vielleicht zwanzig Jahre später, bittet er sie demütig: „Sterbe ich, will ich deine Hände auf meinen Augen: / ich will das Licht und den Weizen deiner geliebten Hände, / einmal mehr sollen sie mit ihrer Kühle über mich streichen: / spüren will ich die Sanftheit, die mein Schicksal änderte.“
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